The Promised City

von Rebecca Sampson



Glückssucher

Bollywood ist die größte Filmindustrie weltweit. Jedes Jahr werden in Indien 3,5 – 4 Milliarden Kinotickets verkauft. Bollywoods Produktionen und auch das private Leben der Stars sind das Gesprächsthema Nr. 1, obwohl viele Menschen am Existenzminimum leben und täglich damit beschäftigt sind, das eigene Überleben zu sichern. Die Filme sind ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens und für viele Inder ist der Gang ins Kino mit der ganzen Familie ein nicht wegzudenkendes Ritual. Kinos finden sich an beinahe jeder Straßenecke und in einigen dieser Kinos ist ein Ticket schon für wenige Rupien zu haben. Es erscheint, als ob das Kino eine Flucht aus der Realität darstellt. Diese Flucht führt die Menschen in eine Welt, die frei ist von alltäglichen Sorgen. Sie ist bevölkert von Darstellern, die dem gängigen Schönheitsideal gerecht werden; eine nach westlichen Maßstäben makellose Figur sowie ein heller Teint gelten als schön und begehrenswert. Gleichzeitig spielt die indische Tradition eine große Rolle. Die Filme bieten eine Projektionsfläche für Träume, Illusionen und Wünsche, die im wahren Leben unerreichbar sind.

Mumbai ist ein Magnet für Menschen aus dem ganzen Land, die täglich von einem besseren Leben, von Geld, Ruhm und Ehre träumen. Sogar aus Ländern wie England und den USA kommen junge Menschen indischer Abstammung, um ihr Glück in Bollywood zu finden. Für eine vermeintliche Chance sind sie bereit alles zu geben. Die Stars Bollywoods werden wie Helden verehrt. Die Menschen harren über Stunden auf der Straße aus, nur um einen Blick auf ihren Star zu erhaschen. Sie drängen sich vor ihren Häusern und an den öffentlichen Filmsets, wo Polizisten die euphorische Menge im Zaum halten müssen.

Ein Leben als Star erscheint vielen Menschen verlockend, doch der Einstieg in das Filmgeschäft ist schwer, obwohl sich an fast jeder Ecke Filmsets finden. Es sind Tausende, die sich täglich auf den Castings in Mumbai tummeln und auf Entdeckung hoffen. Täglich kämpfen sie mit der Angst vor dem Versagen, stürzen ab in die Tiefen des Selbstzweifels und kämpfen dennoch weiter. Für die meisten dieser Glückssucher bleibt die Karriere als Filmstar ein Traum, ein Leben lang.

Biografie

Rebecca Sampson wurde 1984 in Göttingen geboren. Im Jahr 2009 schloss sie ihr Fotografiestudium an der Ostkreuzschule bei Prof. Ute Mahler ab. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

www.rebeccasampson.com
www.promised-city.org

Mai 25th, 2010  |  veröffentlicht in Fotoreportagen

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