rape of growth

von Ole Elfenkämper



Ich reiste das erste Mal im März und April 2011 nach Albanien um ein Land kennen zu lernen, das zwar geografisch zu Europa gehört, die meisten aber so wohl nicht wahrnehmen; ein Land, das sich im Zustand das Wartens zu befinden scheint. Warten auf den Beitritt zur Europäischen Union, auf wirtschaftlichen Fortschritt, politische Stabilität und Touristen, die noch kommen sollen. Bei meiner ersten Reise hielt ich Ausschau nach verschiedenen Geschichten die mich persönlich interessierten und meine Aufmerksamkeit erregten. Während der Recherchen wurde schnell klar, dass ich wesentlich länger brauchen würde um diese Geschichten in ihrer ganzen Tiefe zu verstehen. So entschloss ich mich im Juli 2011 zurück zu kommen und startete ein Projekt über die umweltpolitischen Probleme in Albanien.

Verfallene Industrieanlagen, ein Mangel an Kläranlagen und eine hohe Luft- und Gewässerverschmutzung belasten die Umwelt stark. Städte wie Ballsh, Patos oder Elbasan in Zentralalbanien enthüllen die Gleichgültigkeit und den Mangel an Umweltbewusstsein der Regierung, sowie die Nachlässigkeit der Konzerne. Flüsse, Erdböden und Seen sind so stark verschmutzt, dass es Jahre dauern würde um die Schäden zu beheben. Die Menschen in diesen Regionen haben keine andere Chance als mit der Verschmutzung zu leben. Bauern nutzen kontaminiertes Wasser zum Bestellen ihrer Felder und begeben sich somit in ernste gesundheitliche Probleme. Zudem stellt der Mangel an Sicherheitsbestimmungen in den Fabriken für die Arbeiter ein erhöhtes Risiko dar. Immer wieder passiert es, dass Arbeiter in der Stahl- Öl- oder Minenindustrie ihren Job mit dem Leben bezahlen, zuletzt am 11. November in einer der Chrom-Minen in Bulqiza.

Bis 2010 hatte die Regierung ein Umweltprogramm initiiert um die Umweltverschmutzung auf ein europäisches Mittelmaß zu senken. Das Programm wurde nur teilweise in die Tat umgesetzt und letztlich ohne wirklichen Erfolg eingestellt. Es gibt aktuell noch immer Pläne zum Umweltschutz, diese werden aber wohl, durch die geringe Prioritäts-Beimessung seitens der Regierung, in absehbarer Zeit nicht umgesetzt werden.

Biografie

Geboren 1982 im Norden Deutschlands, kam Ole Elfenkämper vom Film zur Fotografie. Als zweiter Kameraassistent arbeitete er für Kino- und Image-Filme, drehte selbst Kurzfilme und war Assistent der Telecine bei ARRI in Berlin. 2010 war er als Bildredakteur am Launch der iPad-Ausgabe der Frankfurter Rundschau beteiligt. Seine Fotos wurden in verschiedenen Tageszeitungen und internationalen Onlinemagazinen publiziert. Ole Elfenkämper lebt in Stockholm, Schweden.

www.whatwedid.de


Dezember 5th, 2011  |  veröffentlicht in Fotoreportagen

Kommentiere diese Arbeit