Matthias Walendy

Asbestos

In der kanadischen Kleinstadt Asbestos wurde bis vor vier Jahren Asbest abgebaut. Und das obwohl schon seit den 80er Jahren die tödliche Wirkung des Stoffes bekannt ist. Aber die Stadt hängt an ihrer Vergangenheit.

In Kanada, zwischen Montreal und der Stadt Quebec, liegt die Kleinstadt Asbestos; jahrzehntelang wurde hier der Rohstoff abgebaut, der der Stadt ihren Namen gab. Ein Rohstoff, der Arbeitsplätze, Wohlstand und Identifikation für Generationen mit sich brachte. Als Asbest weltweit begehrt war, befand sich hier die größte Asbestmine der Welt, für die Einwohner war der Rohstoff immer ihr „weißes Gold“. In den 1980er Jahren ergaben Untersuchungen, dass der eingeatmete Asbeststaub tödlich sein und u.a. Lungenkrebs hervorrufen kann, woraufhin in sämtlichen westlichen Industrienationen Abbau und Verwendung verboten wurden. Die kanadische Regierung ignorierte dieses Verbot viele Jahre und der lebensgefährliche Stoff wurde weiterhin in Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert und dort verarbeitet – und landet etwa über China wieder auf dem deutschen und europäischen Markt. In Asbestos wurde der Abbau erst vor vier Jahren endgültig gestoppt und die Mine geschlossen. Seitdem herrscht Stillstand in der Stadt des weißen Goldes.

Den Einwohnern scheint ihre Identität zu schwinden, es herrschen Unverständnis und Ratlosigkeit. Ein Neubeginn muss her, aber die Stadt scheint starr an der Vergangenheit zu hängen. Matthias Walendy hielt sich 2014 mehrere Wochen in Asbestos auf und dokumentierte eine Stadt im Niedergang. Er spürte die industrielle Geschichte sowie das aktuelle Leben in einer Stadt auf, die einen Namen trägt, mit dem heutzutage ausschließlich Negatives, Ungesundes und Schädliches in Verbindung gebracht wird. Walendy traf auf eine Stadt, die einerseits positiv und optimistisch in die Zukunft, gleichzeitig mit einem nostalgischen Blick in die Vergangenheit schaut. Viele Menschen sind hoffnungslos. Einige Einwohner hoffen, dass sich die Situation noch einmal ändern wird, dass die Welt irgendwann bemerkt, wie wichtig Asbest noch immer ist – trotz der gesundheitlichen Gefahren. Wie sieht die Zukunft für Asbestos aus?

Matthias Walendy, geboren 1981 in Wipperfürth. Studium der Fotografie an der Fachhochschule Dortmund von 2006 bis 2008 und an der Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin von 2009 bis 2011. Zwei Jahre Assistenz bei Daniel Josefsohn. Matthias Walendy lebt als freier Fotograf in Berlin.

www.matthiaswalendy.de

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