Lukas Fischer

Gropiusstadt

Für die Einen ist es Heimat, für die Anderen Schicksal: der Mega-Plattenbau im Süden Neuköllns. Erst beim Blick hinter die Türen zeigt sich auch die menschliche Seite dieser kalten Betonlandschaft.

Die nach Walter Gropius benannte Großsiedlung im Süden des Berliner Bezirks Neukölln wurde zwischen 1962 und 1975 großteils als soziales Wohnungsbauprojekt errichtet. Kurze Berühmtheit erreichte die Siedlung in den 1980er Jahren. Christiane F. (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo) wuchs hier auf.

Die Gropiusstadt steht beispielhaft für die postmoderne Architektur der Zeit. Ähnliche Siedlungen finden sich auch in vielen anderen deutschen Großstädten. Durch all diese Projekte zieht sich der Glaube an die Planbarkeit von Megastrukturen für Tausende.

Bewegt man sich im Außenraum der Gropiusstadt, ist man konfrontiert mit riesigen Fassaden, unzähligen Fenstern und der offenen Frage, wie wohl das Leben dahinter aussieht. Blickt man hinein, trifft man auf unterschiedlichste Menschen, Ansichten, Kulturen, Religionen, Lebensentwürfe und Einrichtungen. Der äusseren Gleichschaltung tritt eine Fülle an Individualität entgegen.

Während der Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund und oft islamischen Glaubens in einigen Teilgebieten bei über 50 Prozent liegt, leben hier auch noch viele Erstbewohner der Siedlung, teilweise seit Mitte der 1960er-Jahre.

Alte Heimat für die einen, das Fremde für die anderen. Trotz dieses Gegensatzes, sagen viele, dass sie gerne hier leben. Es ist ein bunte, heterogene Mischung die in der Gropiusstadt lebt.

Lukas Fischer (*1983) studierte von 2003 bis 2006 Deutsche Literatur und Nordamerikanische Kultur an der FU Berlin, anschließend Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Fotografie an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.

www.lukasfischer.info

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