Janine Bächle

Inner Journey

Meditation beeinflusst Gehirn, Stimmung und Gesundheit – und kann unser Leben nachhaltig verändern. Die fotografische Arbeit erkundet ihre Vielfalt in unterschiedlichen Kulturen und Religionen

Fotografie Janine Bächle

Meditation gewinnt zunehmend im Okzident und damit auch in der Wissenschaft an Bedeutung. In aktuellen Studien konnte nachgewiesen werden, dass meditative Praxis nicht nur Hirnregionen verändern, Stimmungen beeinflussen und den Gesundheitszustand verbessern können, sondern sogar lebensverlängernd wirken. Die vielfältigen Formen der Meditation können unterteilt werden in aktive Techniken, wie Qigong, Yoga oder Derwischtanz und passive Techniken, die im Sitzen ausgeübt werden, wie die Achtsamkeitsmeditation, Atemtechniken oder das christliche Gebet. Allen Techniken gemein ist das Ziel, die Bewusstseinslage mittels Konzentration oder anderen Techniken zu verändern, indem man sich von äußeren sowie inneren Reizen distanziert.

Meditation ist ein Werkzeug, das zur Selbsterforschung eingesetzt werden kann sowie um zu lernen, Emotionen besser regulieren zu können und die Konzentration zu steigern. Sie ist oft eng mit Spiritualität verwoben, aber nicht zwingend, wie beispielsweise beim autogenen Training oder MBSR, wie es in der modernen Psychotherapie eingesetzt wird. Im Fokus dieser fotografischen Arbeit stand sowohl die Dokumentation unterschiedlicher Kulturen sowie Religionen, Meditationsorte und -techniken, als auch die Darstellung des subjektiven Erlebens von Meditation. Dabei wurde das Fotografieren selbst zu einer meditativen Praxis.

Diana sitzt im Speisesaal des Zentrums „Dhamma Sumeru“
 im Schweizer Jura. Sie ist für eine
 Service Periode ins Zentrum gekommen: neben den drei täglichen Gruppenmeditationen werden in dieser Zeit Haushalts-, Garten- und Bauarbeiten zur 
Instandhaltung des Zentrums erledigt.

Über einen Zeitraum von acht Monaten war Janine Bächle in Kontakt mit Meditierenden, Meditationslehrenden sowie Meditationsforschenden aus unterschiedlichen Ländern. Dabei war sie nicht nur außenstehende Betrachterin, sondern hat auch selbst teilgenommen und Meditation praktiziert. Ihr Interesse galt im Besonderen den physischen und psychischen Auswirkungen von Meditation. Die Protagonisten der Serie sprachen von Stressabbau, Gelassenheit, Verbesserung der Stimmung und konnten durch die Meditationspraxis Ängste auflösen, in Einzelfällen sogar eine Depression überwinden.

Der Palki Sahib ist ein erhöhter, schmuckvoller Platz mit Baldachin, auf dem die heilige Schrift der Sikh aufbewahrt wird. Hier im Gurdwara Guru Nanak Darbar, einem Sikh-Tempel in Offenbach am Main, kommen Menschen der Gemeinde regelmäßig zusammen
 zum Gottesdienst, der sich aus Gebeten, Mantra-Gesängen und anderen Meditationen zusammensetzt.
Die orangenen Beeren des Feuerdorns stehen als Platzhalter für die dritte Meditationstiefe, die
 sich durch Achtsamkeit und Konzentration auszeichnet.
Der junge tibetische Lama Zong Rinpoche ist seit 2016
 spiritueller Co-Leiter des Tibethauses in Frankfurt am Main.
Der Halbmond steht hier symbolisch für die vierte Meditationstiefe, die der essentiellen
 Qualitäten. Dies sind grundlegende Eigenschaften wie beispielsweise Klarheit, Wachheit oder 
Verbundenheit.
In den italienischen Alpen praktiziert Chris eine Abfolge von Qigong-Übungen während 
eines sogenannten „Rainbow Gatherings“. Qigong vereint sowohl Atem- und Konzentrations- als auch Bewegungsübungen.
Im Speisesaal des Vipassana-Zentrums „Dhamma Sumeru“ trinkt Anne eine Tasse Tee. Die Sitzgelegenheiten sind hier so 
angeordnet, dass die Teilnehmenden keinen
 Blickkontakt haben. Während der meist 10-tägigen Kurse darf weder gesprochen noch
 anderweitig kommuniziert werden.
Die Schlafsäle in Vipassana-Meditationszentren nach S.N. Goenka sind spärlich eingerichtet. Nichts soll von der Meditationspraxis ablenken.
Björn ist als Server für Dhamma-Seva, dem selbstlosen Dienst, im Vipassana-
Meditationszentrum „Dhamma Pajjota“ in Belgien. Bei der Vipassana-Meditation liegt der
 Fokus auf der Selbstbeobachtung, zunächst von Atmung und anschließend den Empfindungen 
des gesamten Körpers.
Ein Stapel Meditationskissen liegen in der Meditationshalle im Vipassana-Zentrum im
 belgischen Flandern. Die langen Meditationszeiten von bis zu elf Stunden täglich
 sind nicht nur körperlich sondern besonders psychisch sehr herausfordernd.
Ein abgebrochener Baum steht hier repräsentativ für die erste von fünf Meditationstiefen,
 die Harald Piron erforschte. Sie ist geprägt von Unruhe, Langeweile und Konzentrationsproblemen.
Eine erhöhte Sitzposition im Gebetsraum des Sufi-Zentrums Rabbaniyya „Sufiland“ in Süddeutschland. Hier wird mehrmals die Woche die traditionelle Sufi-Meditation, das Dhikir, praktiziert.
Feride, die Vorsitzende des Sufi-Zentrums Rabbaniyya, betet im Garten der Gemeinde. Nach jeder Gebetswiederholung schiebt sie mit den Fingern Perle um Perle weiter.

Janine Bächle (*1990) ist Künstlerin und Fotografin in Leipzig. Sie hat einen Abschluss in Fotografie und Kommunikationsdesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und veröffentlicht. Janine erhielt zudem mehrere Stipendien, unter anderem der Stiftung Kunstfonds, VG Bild-Kunst und Hessischen Kulturstiftung. Zuletzt erschien ihr autobiografisches Langzeitprojekt „Becoming Parents“ als Fotobuch im Verlag Kettler, das dieses Jahr bei Fotofestivals in Nordirland, Portugal und Singapur gezeigt wird.