Miguel Hahn & Jan-Christoph Hartung

The Beauty and the Beast

Paradiesische Strände und Regenwälder an steilen Berghängen machen Indonesien zu einem beliebten Touristenziel. Gleichzeitig sind die zerstörerischen Naturgewalten genau hier am stärksten erfahrbar.

Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüche: Kaum ein Land ist so gefährdet von Naturkatastrophen wie der Inselstaat Indonesien. Einige der Inseln sind dicht besiedelt. Die Böden, insbesondere in der Nähe von Vulkanen, sind sehr fruchtbar und ermöglichen in Zusammenhang mit dem tropischen Klima eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Außerdem lässt sich in Vulkanen Schwefel gewinnen und wertvolles Baumaterial abtragen. Viele Menschen leben in Gebieten, die von der Regierung als höchste Gefahrenzone deklariert sind. Wie gehen die Menschen mit dieser Bedrohung um?

Der Ijen-Vulkan ist durch seine weltberühmten Schwefelminen eine Attraktion, die täglich hunderte Touristen anzieht.
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Ein Souvenir, das man in der Nähe des Merapi kaufen kann. Die zerstörten Dörfer rund um den Vulkan ziehen jährlich tausende Touristen an.
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Noer Cholik, ein Vulkanologe und sein Träger auf dem Vulkan Merapi. Die Forscher brachten hier neue GPS Sender auf dem Gipfel an. Der Merapi gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt.
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Einige fühlen sich von den spektakulären Naturgewalten angezogen. So gibt es massenhaft Touristen, die mit Jeeps auf die Vulkane gekarrt werden oder an tsunamigefährdeten Stränden mit All-​inclusive-​Cocktails in der Sonne liegen. Viele von ihnen kommen auch, um sich ein bisschen zu gruseln angesichts der latenten Gefahr, sie machen Selfies vor Warnschildern und wollen das traditionelle Wird-​schon-​werden-​Gefühl der Indonesier spüren, zumindest für die Dauer der Ferien.

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Andererseits legen Besucher Wert auf das Gefühl, dass im Notfall alles gut vorbereitet ist. Mancherorts gibt es alle paar Meter sogenannte Tsunami-​Warnknöpfe, mit denen das Hotelpersonal Alarm auslösen kann. Dafür gibt es ein Zertifikat: “Tsunami-​Ready”.

Ein Mitglied von Search and Rescue auf Bali. Als Search and Rescue werden international in staatlichem Auftrag tätige Such- und Rettungsdienste für Notfälle in der Luft- und Seefahrt bezeichnet.
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Chinesische Touristen in Nusa Dua auf Bali. Schilder mit den Fluchtrouten vor Tsunamis findet man hier häufig.
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Noer Cholik, im Vulkanologie-Zentrum in Yogyakarta. Hier werden die seismischen Aktivitäten rund um den Merapi überwacht.
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In Jimbaran auf Bali findet in einer Schule eine Tsunami-Übung statt. Einige der Schüler spielten die Opfer eines Tsunamis bzw. eines Erdbebens, während andere Schüler diese versorgen mussten.
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Ein Schwefelminenarbeiter im Krater des Ijen-Vulkans.
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Im Krater des Ijens werden täglich bis zu zehn Tonnen Schwefelgas gefördert.
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Bapak Gimin zeigt in seinem Wohnzimmer in einem Dorf nahe des Merapi, wie sein Großvater eine große Eruption des Merapi 1930 überlebte, indem er sich sich in eine Bambusdecke einwickelte.
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Ein junger Mann, der seit einem Erdbeben bei Yogyakarta teilweise gelähmt ist.
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Auf Bali findet man vielerorts Tsunami-Alarm-Türme.
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Bali ist auch für Surfer aus aller Welt ein beliebtes Ziel. An diesem Strand ist die Gefahr eines Tsunamis besonders groß.
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Viele Hotels werben mit ihrem sogenannten "Tsunami-Ready" Zertifikat. Im Bild ein Notruf-Schalter in einem Hotel auf Bali.
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Ein Auto, welches 2009 beim Erdbeben in Padang im Westen Sumatras zerstört wurde.
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Dieses Handy wurde aus der Asche des 2010 ausgebrochenen Vulkans Merapi geborgen.
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Schamanen gibt es auch, ihr Wort wiegt in manchen Orten mehr als die Daten der Wissenschaftler. Deren Versuch, mit Sensoren, Seismografen und internationalen Forscherteams den Naturgewalten empirisch auf die Spur zu kommen, ist das Gegenteil der traditionellen Sichtweise, menschliche Sünden und nicht die ungünstige geografische Lage am Rand tektonischer Platten für die Naturgewalten verantwortlich zu machen.

Der Schamane des Dorfes Banaran Keningar, einer der letzten Orte vor dem Vulkan Merapi. Bei einem Besuch in seinem Haus erzählte er, dass er mit dem Vulkan kommuniziert und die Tierwelt beobachtet, um die Aktivitäten des Vulkans vorherbestimmen zu können. Für viele Einwohner des Dorfes stellt der Vulkan etwas Positives dar. Wenn er ausbricht ist dies ein Teil seines Schaffens.
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Miguel Hahn (*1982) und Jan-​Christoph Hartung (*1983) arbeiten seit ihrem Studium an der Hochschule Darmstadt als Team. Als Hahn+Hartung wurden ihre Arbeiten unter anderem im ZEITmagazin, SZ-Magazin, Le Monde, Dummy, Vice, Wired und im British Journal of Photography veröffentlicht. Neben internationalen Ausstellungen (z.B. im C/O Berlin, Deichtorhallen Hamburg, Voices Off Arles, LagosPhoto Festival) haben sie renommierte Auszeichnungen erhalten, so etwa Gold bei dem LEAD Award für Reportagefotografie des Jahres 2015 und eine Projektförderung der VG-Bildkunst 2016. Hahn+Hartung beschäftigen sich vorrangig mit gesellschaftlichen Themen, ihre Arbeiten handeln von Übriggebliebenem, verloren Gegangenem und Zukünftigem. Für ihre neue Arbeit reisen sie durch Deutschland auf der Suche nach der Angst, die Leute und den Staat dazu bringt, sich auf große Krisen und Katastrophen vorzubereiten. Miguel und Jan-Christoph leben derzeit in Berlin.

www.hahn-hartung.com

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