Sélim Harbi

Zatla Blues

Tunesien ist nach dem Arabischen Frühling liberaler geworden. Bei vielen Themen herrscht aber immer noch die Tendenz zur Tabuisierung. So auch beim Drogenkonsum. “Ein Joint – ein Jahr Gefängnis”.
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Vieles hat sich verändert in Tunesien, seit im Dezember 2010 der Arabische Frühling hier seinen Anfang nahm. Es ist, als hätten die Menschen die Fähigkeit zum Sprechen wiedererlangt; der Wille zu mehr Liberalität im Land ist groß, die Katastrophen anderer arabischer Staaten blieben Tunesien erspart. Dennoch – gewisse Themen bleiben unausgesprochen, noch herrscht eine Tendenz zur Tabuisierung, gerade dann, wenn das moralische Grundgerüst der Gesellschaft beschädigt werden könnte. Drogenkonsum ist eines dieser Themen. Wie das Schwert des Damokles hängt das Betäubungsmittelgesetz als eine Form der Repression über den Köpfen der jungen Menschen in Tunesien. Das Ziel: Die Unterdrückung jeglicher Art von – vermeintlicher – jugendlicher Rebellion. „Ein Joint – ein Jahr Gefängnis“, so lautet die Devise. Amine, 28 Jahre alt, Sélim Harbis Protagonist dieses filmischen Porträts, war im Gefängnis – für einen Joint, sagt er. Eine Zeit voller Gewalt, Willkür und Hoffnungslosigkeit liegt hinter ihm. Noch heute kämpft er mit den Folgen dieses Traumas.

Sélim Harbis Intention, Amines Geschichte zu erzählen, beruht weder auf der Absicht Drogen zu verharmlosen noch eine politisch kontroverse Meinung zu vertreten. Vielmehr möchte er mit diesem Porträt eines Einzelnen die Unzufriedenheit eines Großteils der tunesischen Jugend erzählen – in einer von enormem Wandel geprägten Gesellschaft.

Sélim Harbi, 1982 in Tunis geboren und aufgewachsen, ist Dokumentarfotograf und Multimedia-Autor. In Berlin studiert er Fotografie und Audiovisuelle Medien an der Beuth Hochschule für Technik. Mit Hilfe des „Reporting Change Grant“ der Organisation World Press Photo verwirklicht er die Multimedia-Arbeit „Zatla Blues“. 2013 gründet er das erste panafrikanische Kollektiv für Fotojournalismus und kreatives Multimedia-Storytelling, „Afreekyama“.
www.selimharbi.com

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