Andreas Geipel, Franz Sickinger, Shooresh Fezoni

Die Bierbrauer aus Quilmes

Hier spielt der älteste Fußballverein Argentiniens. Die Mannschaft gilt als Fahrstuhlmannschaft – der Leidenschaft der Fans tut die sportlich unstete Form aber keinen Abbruch.
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Die Stadt Quilmes liegt etwa 20km südlich von Buenos Aires am Rio de la Plata und ist v. a. durch das gleichnamige Bier bekannt. Der Quilmes Atlético Club (QAC) wurde 1887 gegründet und ist somit der älteste Fußballverein in Argentinien. Trotzdem gilt der QAC als Fahrstuhlmannschaft, während der Aufnahmen spielte die Mannschaft in der höchsten argentinischen Spielklasse, musste aber letztlich absteigen. Der unbändigen Leidenschaft ihrer Anhängerschaft tat diese sportliche Misere jedoch kaum Abbruch.

Die Fans aus Quilmes nennen sich aufgrund ihrer weltberühmten Bierbrauerei Cerveceros – Bierbrauer. Der Hauptaugenmerk lag auf dem harten Kern der Fanszene, der sogenannten Barra Brava, am ehesten mit der Hooligan/Ultraszene in Europa zu vergleichen.

In kaum einem anderen Land ist der Fussball so allgegenwärtig, wie in Argentinien. Waren es früher Theater, die die Menschen all ihre Sorgen und Müdigkeit vergessen ließen, ist es heute der Fußball, der regelrecht als Ventil für den immer größeren Druck gerade auf die Unterschichten des Volkes dient. Ob in Deutschland, Afrika, Brasilien oder eben Argentinien.

Doch gerade im Silberland ist das besagte Ventil besonders gut zu spüren, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Ländern der Welt gehört hatte und nun durch zahlreiche Regierungswechsel und Wirtschaftskrisen ein so starkes arm-reich Gefälle aufwies, dass man oft schon vom Abrutschen aus der ersten in die dritte Welt sprach.

Es waren die berauschenden Bilder von überglücklichen Fans im Stadion und die Frage, wann wir selbst das letzte mal in unserem Leben einen Moment erlebt haben, der uns so in Ekstase versetzte. Die Frage blieb unbeantwortet und uns war klar, dass wir diese nur beantworten können, wenn wir diese Menschen hautnah erleben.

Durch einen Zufall lernten wir einen der Ultra-Fans kennen, der uns einlud mitzukommen. Wir tranken, redeten, feierten und gewannen so im Endeffekt das Vertrauen der Fans. Der Weg für unsere Reportage war geebnet.

Bei unseren Stadionbesuchen und Treffen mit Fans des Clubs, fiel uns diese unglaubliche Leidenschaft und Loyalität für den Club und den Fußball im Allgemeinen auf, den wir so bisher nirgends auf der Welt gesehen haben. Dazu bemerkten wir, dass die Fans im Stadion nie pfiffen und ihre Mannschaft, auch bei oft schlechten Leistungen, 90 Minuten lang lautstark unterstützten. Auch nach Abpfiff wurde weiter gefeiert. Frauen, Kinder, Arme, Reiche, ruhige und schwer kriminelle Menschen. Alle zusammen feierten ihren Club auf eine unglaubliche Art und Weise.

Das Besondere der Barra und auch der ganzen anderen Fans – aller Cerveceros – ist die bedingungslose Leidenschaft und die hundertprozentige Identifikation mit ihren Farben. Der Verein wird gelebt, geatmet, man feiert, lacht und weint zusammen.

Andreas Geipel, wurde 1981 in Wiesbaden geboren. Wenige Tage nach der Überreichung seines VWL Diploms siedelte er 2008 nach Buenos Aires, Argentinien, über. Begeistert von Kultur, Land und Leuten lebte er fast drei Jahre in der argentinischen Hauptstadt. In dieser Zeit berichtete Geipel via diverser Onlineplattformen über den argentinischen Fußball. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich indes als geschäftsführender Koch. Mitte 2011 kehrte Geipel nach Deutschland zurück und lebt derzeit in Berlin.

www.argifutbol.com

Franz Sickinger, wurde 1984 im niedersächsischen Twistringen geboren. 2007 absolvierte er sein Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium in Diepholz und begann kurz danach das Studium Kommunikationsdesign mit der Fachrichtung Multimedia an der FH Hannover. Seit 2010 arbeitet er selbstständig als Cutter und Grafiker. Im Sommer 2011 schließt er den Bachelorstudiengang ab und arbeitet fortan in der Online Redaktion und der Grafikabteilung des NDR in Hannover.
www.firlefranz.com

Shooresh Fezoni, geboren 1980 im kurdischen Kermanschah im Westen des Irans, flüchtete mit seinen politisch verfolgten Eltern nach Deutschland, studierte erfolgreich BWL in Heidelberg und begann nach seiner Tätigkeit bei der SAP-AG, Fotojournalismus an der Fachhochschule Hannover zu studieren. Seit 2009 ist Fezoni Mitgründer und Geschäftsführer der 2470media UG, einer Produktionsfirma für Mulitmediareportagen und lebt in Berlin.
www.fezoni.com

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