Sebastian Wells

La Rada di Augusta

In dem Fotoprojekt „La Rada di Augusta“ untersucht Sebastian Wells visuell anhand der Bucht von Augusta, wie vielschichtig die Problematik der ausbleibenden Auseinandersetzung mit dem Klimawandel in post-industriellen Gesellschaften ist.

Seit den 50er Jahren gibt es in dieser Gegend Siziliens petrochemische Industrieanlagen. Bis zu den 80iger Jahren hat sicher „Polo Petrolchimico“ zu einem der größten Industriezentren für die Raffinierung von Erdöl in Europa entwickelt. Die wirtschaftliche Euphorie der Arbeiter*innen ging einher mit einer massiven Umweltverschmutzung durch die Industrie. Auswirkungen machen sich heute auch an einer erhöhten Krebs- und Fehlgeburtenrate bemerkbar. Das allgegenwärtige Motto „Lieber an Krebs sterben als an Hunger“ verfällt jedoch parallel zum Erfolg der Industrie heute zunehmend. Die breite Bevölkerung hat sich mit der Vermüllung der Gegend und der Gefahr eines erhöhten Quecksilbergehalts im Meer dennoch abgefunden. Nur im Einzelfall politisieren sich Klimaaktivist*innen und lehnen sich gegen die umweltzerstörerischen Strukturen auf. Der Fotograf Sebastian Wells will so fotografisch einen Umweltdiskurs auf lokaler Ebene abbilden, der symbolisch für die Klimadebatte im globalen Kontext stehen kann.

Madonna an einem Hafen, 03.12.2019, Augusta, Italien.
Helena auf dem 18. Geburtstag ihres Freundes Gaetano, 22.09.2019, Villasmundo, Italien.
Straßenumzug vom Corop Musicale, 30.11.2019, Augusta, Italien.
Jugendliche schauen durch den Zaun einer Ölraffinerie von Sonatrach, 01.09.2019, Augusta, Italien.

Sebastian Wells, geboren 1996 in Königs Wusterhausen, studierte bis 2018 an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin, unter anderem bei Werner und Ute Mahler. 2019 wurde er Mitglied der Fotoagentur OSTKREUZ. Seit 2020 studiert er Fotografie und Bildmedien an der FH Bielefeld. Wells zeigt in seinen Fotografien (Sport-)bühnen abseits des Nachrichtengeschehens und auch vielgestaltige sozialkritische Themen. Seine Arbeit wurde vielfach ausgestellt und ausgezeichnet, unter anderem ist er Preisträger des Kunstwettbewerbs des Willi Münzenberg Forums. Er veröffentlicht regelmäßig in der Süddeutschen Zeitung, Der Freitag, 11Freunde und in zahlreichen weiteren Magazinen und Zeitungen.

www.sebastianwells.de

Weitere ausgezeichnete Arbeiten 2020

Leon Böhm

Papa Mama Martin Haus Freund

Leon Böhm dokumentiert in seiner Arbeit „Papa Mama Martin Haus Freund“ auf sensible Weise das aktuelle Leben seines Großcousins Makki (Martin), der schwerbehindert mit einem Herzfehler, ohne Schluckreflex und mit kaum Seh- wie auch Hörvermögen zur Welt kam.

Ksenia Les

I got a lust for life

Die Fotografin Ksenia Les macht anhand der persönlichen Arbeit „I got a lust for life“ das häufig verschwiegene Thema der Endometriose sichtbar. Obwohl es über 176 Millionen diagnostizierte Fälle mit der Unterleibserkrankung gibt, ist die medizinische Forschung in diesem Feld noch nicht zulänglich ausgereift.

Shirin Abedi

Invisible Students

Shirin Abedi stellt in ihrem nächsten fotografischen Projekt „Invisible Students“ das Thema des Mobbings im Schulkontext in den Fokus. Eine von vier Schüler*innen fühlt sich in der Schule nicht sicher und insgesamt 60 Prozent erleben Isolation, Hänseleien oder sogar körperliche Gewalt, während sie ihrer Schulpflicht nachkommen.

Rafael Heygster

I died 22 times

Rafael Heygster beschäftigt sich in seinem Fotoprojekt „I died 22 times“ mit „Kriegen“ außerhalb realer Schlachtfelder. In Deutschland herrscht zwar seit 70 Jahren offiziell militärischer Frieden, dennoch taucht Krieg in abstrakterer Form innerhalb unserer Gesellschaft in unterschiedlichsten Formen auf.

Daniel Chatard

Niemandsland

Daniel Chatard fotografiert in seinem Langzeitprojekt „Niemandsland“ den Konflikt um die Braunkohleförderung im Rheinland. Dabei zeigt er vor allem die Auflehnung gegen die Abholzung der Wälder und die Zerstörung von umliegenden Dörfern. Zu Beginn seiner Arbeit 2017 nahm der Fotograf den Kampf um den Hambacher Forst in den Fokus.

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