Der letzte Bauer von Hannover

von Florian Manz

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Projektinfo

Mitten in Hannover gibt es noch immer einen alten Bauernhof. Früher einmal gab es in der niedersächsischen Großstadt viele Höfe. Doch über die Jahre wuchs die Stadt immer weiter und für die Landwirtschaft war kein Platz mehr. Nur den Bauernhof von Hermann Völxen gibt es noch.  Seine 40 weißen Charolais-Kühe stehen auf den Überschwemmungswiesen der Ihme und Leine. Der 72-jährige liebt seine Tiere, die so viel wiegen wie ein Kleinwagen. Wenn im Winter die Wiesen überschwemmt sind, hat er alle Hände voll zu tun, seine französischen Fleischkühe wieder in den trockenen Stall zu bringen.

Hermann Völxen arbeitet jeden Tag auf seinem Hof. Hilfe bekommt er dabei von seiner Schwester Hildegard. Der alte Bauer war nie verheiratet, hat keine Kinder und somit auch keinen Nachfolger für seinen Hof. »Zwei bis drei Jahre noch, dann ist Schluss!«, sagt er selbst.

Die letzten Jahre des einzigen urbanen Bauernhofs in Hannover sind also gezählt.

Biografie

Nach seiner Schulzeit in Ottersberg beginnt Florian Manz eine Ausbildung zum Food-Fotografen. Diese schließt er 2004 mit dem Gesellenbrief ab. Danach folgt eine dreijährige Tätigkeit als freier Fotograf für Tageszeitungen und TV Sender. Seit 2007 studiert Florian Manz  an der FH Hannover Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotojournalismus bei Rolf Nobel und Lars Bauernschmidt.

www.kollektiv25.de

Crossing Kabul

von Daniel Pilar

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Projektinfo

So lang ist es nicht her, dass Kabul als weltoffene Metropole galt. In den sechziger und siebziger Jahren war die afghanische Hauptstadt eine beliebte Station auf dem »Hippie-Trail« nach Südasien. Getrieben von Selbstfindung, Sinnsuche und Völkerverständigung – womöglich auch von der Lust auf Opium und Haschisch – reisten Tausende von Rucksacktouristen dorthin. Nach dreißig Jahren konfliktreicher Besatzung und Krieg ringt Afghanistan heute um seine Identität. Die Bewohner Kabuls blicken pessimistisch in die Zukunft. Schleppender Wiederaufbau und die ständige Angst vor neuen Anschlägen haben auch das Vertrauen in die NATO-Truppen erschüttert. Die Menschen in Kabul haben viele Geschichten zu erzählen.

Mit »Crossing Kabul« dokumentiert der deutsche Fotograf Daniel Pilar das heutige Bild der afghanischen Hauptstadt, in die, fernab der Kampfzonen, nur langsam Normalität einzieht. Dabei geht es vor allem um Situationen des Alltags, der sich zwischen Tradition, westlichen Einflüssen und gesellschaftlichem Fortschritt bewegt.

Biografie

Daniel Pilar, Jahrgang 1976, arbeitete nach seinem Diplom, mit dem Schwerpunkt Fotojournalismus an der Fachhochschule Hannover, drei Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Redaktionsfotograf. Seit 2009 ist er als freier Fotograf für diverse Auftraggeber tätig und weiterhin regelmäßig für die F.A.Z., für die er auch Afghanistan bereist hat.

www.danielpilar.de

Melody of Life

von Anna-Kristina Bauer

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Projektinfo

Malik Diop kommt ursprünglich aus Senegal und lebt seit 1994 in Deutschland. Er hat sich hier durch die Musik integriert, so fand er Arbeit und seine Freunde. Musik ist eine Weltsprache die jeder versteht. Musik verbindet.

Malik hört die kleinen Geräusche, Rhythmen und Töne des Alltags und komponiert daraus die Melodie seines Lebens.

Biografie

Anna-Kristina Bauer wurde 1987 in Erlangen geboren. Seit 2008 studiert sie Fotojournalismus an der Fachhochschule Hannover. Die Multimedia-Reportage “Melody of Life” wurde im Juni 2010 auf dem 2. Lumix Festival in Hannover ausgestellt.

www.annakristinabauer.com

Benidorm – das verlorene Paradies

von Nicole Strasser

Projektinfo

Jedes Jahr bezahlen mehr als fünf Millionen Menschen dafür, ihren wohlverdienten Urlaub in den Bettenburgen von Benidorm zu verbringen. Sie können nicht alle einen komplett schlechten Geschmack haben und verrückt sein. Oder doch?

„Zimmer mit Meerblick“, das bekommt man heute in nahezu jedem Hotel in dieser spanischen Stadt an der Costa Blanca, da sie sehr dicht an die beiden insgesamt sechs Kilometer langen Strände gebaut ist. Sie ist die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern pro Einwohner und nach Manhattan die Stadt mit den meisten Hochhäusern pro Quadratmeter. Nicht ohne Grund nennt man sie Beniyork oder Benihattan. Kaum ein anderer Badeort in Europa hat eine solch hohe Hotelauslastung über das ganze Jahr hinweg. Nur allzu menschliche Bedürfnisse können hier sehr preisgünstig befriedigt werden: Sonne, Strand, Sex und Sangria. Die Touristenmassen fallen jedes Jahr in Scharen ein. Sie kommen, um sich frei zu fühlen und Dinge zu tun, die sie zu Hause nie tun würden.

Biografie

Nicole Strasser, Jahrgang 1975, studierte Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotojournalismus an der Fachhochschule Hannover. Mit der Arbeit „Benidorm – das verlorene Paradies“ erhielt sie ein Stipendium von der VG-Bildkunst.

www.nicolestrasser.de

DownTown

von Dawin Meckel

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Irgendwann hat mich ein Mann angesprochen, der mir seine Nachbarschaft zeigen wollte. Mit ihm bin ich dann ein paar Tage herumgefahren. Er hatte immer einen eineinhalb Liter großen Becher Bier dabei. Wir waren in einer Gegend, in der viele Häuser abgerissen waren, angezündet von der Polizei, damit sich keine Drogendealer einnisten. Nun wächst Gras in den Lücken. Dazwischen leben Menschen, die den ganzen Tag nichts zu tun haben. Sie hängen ab, nehmen Drogen, hören Musik, werfen Hufeisen um einen Stab, gehen in die Kirche, wo sie zu essen bekommen. Es war wie nach einer Naturkatastrophe. Sie hatten überlebt, aber sie waren nicht entkommen. Sie sind zu arm, um aus Detroit wegzuziehen, und so warten sie, obwohl sie wissen, dass nichts mehr passieren wird. Ich habe dort niemanden getroffen, der eine Vorstellung davon hatte, wie er in zehn Jahren leben wird. Stattdessen habe ich mich gefragt, wie wir in zehn Jahren leben werden und ob Detroit eine Ausnahme oder die Zukunft ist.

Ich bin auch in den Suburbs gewesen, in denen die Weißen wohnen. Kleine, langweilige Siedlungen, in denen ein Haus wie das andere aussieht, davor ein Streifen Rasen, und der wird samstags gemäht. Es wirkt alles intakt, aber es könnte überall stehen. Der Kern der Stadt aber, das was sie einzigartig macht und woran sie wiederzuerkennen ist, der löst sich auf. Das Flugzeug, mit dem ich in Detroit ankam, ist direkt über die Stadt geflogen. Von oben war nichts zu sehen von der Zerstörung, alles wirkte nur irgendwie ausgestorben. Und ich dachte noch, so ist es ja immer an einem fremden Ort. Am Anfang sagt er einem nichts, aber nach einer Zeit kann man ihn mit anderen Augen sehen, und das ist ja das Schöne daran. Beim Rückflug war das anders. Ich hatte die Stadt zwar kennengelernt und auch ein paar ihrer Menschen, aber als ich wieder wegflog, hatte ich das Gefühl, ich würde sie darin zurücklassen.

Biografie

Dawin Meckel wurde 1977 in Hessen geboren. Er studierte Foto- und Filmdesign bei Prof. Roman Bezjak an der Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld. Seit 2004 ist er Mitglied bei “OSTKREUZ – Agentur der Fotografen”. Dawin Meckel lebt und arbeitet in Berlin.

www.dawinmeckel.com

Black Saturday

von Caroline Pankert

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Am Samstag, den 7. Februar 2009 wurde Südostaustralien von den schlimmsten Buschfeuern verwüstet, die das Land je gesehen hat. Eine Reihe von heftigen Feuerstürmen waren verantwortlich für 173 Tote sowie für hunderte Verletzte. Ganze Dörfer verschwanden an diesem Tag von der Landkarte. Doch wie sieht das Leben derer aus, die die Feuer überlebten? Wie leben diese Menschen jetzt, nachdem sie ihr ganzes Hab und Gut verloren haben? Und warum riskierten manche von ihnen ihr Leben, um ihr Haus vor den Flammen zu retten?

Die belgische Fotografin Caroline Pankert hat sich intensiver mit den vielfältigen Folgen der Brände auseinandergesetzt und diese fotografisch dokumentiert. Sie hat die Menschen kennengelernt, die die Feuer überlebten, ihre Geschichten gehört und sich ein Bild verschaffen können, wie die Brände ihr Leben verändert haben.

Biografie

Caroline Pankert wurde 1980 in Ostbelgien geboren und studierte zwischen 2000 und 2003 Fotografie und Visuelle Kunst am Institut des Beaux Arts St. Luc in Lüttich. Seit März 2010 besucht sie den Meisterkurs bei Prof. Arno Fischer an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin. Sie lebt und arbeitet als freie Fotografin in Berlin.

www.caro-photography.com

The Promised City

von Rebecca Sampson

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Glückssucher

Bollywood ist die größte Filmindustrie weltweit. Jedes Jahr werden in Indien 3,5 – 4 Milliarden Kinotickets verkauft. Bollywoods Produktionen und auch das private Leben der Stars sind das Gesprächsthema Nr. 1, obwohl viele Menschen am Existenzminimum leben und täglich damit beschäftigt sind, das eigene Überleben zu sichern. Die Filme sind ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens und für viele Inder ist der Gang ins Kino mit der ganzen Familie ein nicht wegzudenkendes Ritual. Kinos finden sich an beinahe jeder Straßenecke und in einigen dieser Kinos ist ein Ticket schon für wenige Rupien zu haben. Es erscheint, als ob das Kino eine Flucht aus der Realität darstellt. Diese Flucht führt die Menschen in eine Welt, die frei ist von alltäglichen Sorgen. Sie ist bevölkert von Darstellern, die dem gängigen Schönheitsideal gerecht werden; eine nach westlichen Maßstäben makellose Figur sowie ein heller Teint gelten als schön und begehrenswert. Gleichzeitig spielt die indische Tradition eine große Rolle. Die Filme bieten eine Projektionsfläche für Träume, Illusionen und Wünsche, die im wahren Leben unerreichbar sind.

Mumbai ist ein Magnet für Menschen aus dem ganzen Land, die täglich von einem besseren Leben, von Geld, Ruhm und Ehre träumen. Sogar aus Ländern wie England und den USA kommen junge Menschen indischer Abstammung, um ihr Glück in Bollywood zu finden. Für eine vermeintliche Chance sind sie bereit alles zu geben. Die Stars Bollywoods werden wie Helden verehrt. Die Menschen harren über Stunden auf der Straße aus, nur um einen Blick auf ihren Star zu erhaschen. Sie drängen sich vor ihren Häusern und an den öffentlichen Filmsets, wo Polizisten die euphorische Menge im Zaum halten müssen.

Ein Leben als Star erscheint vielen Menschen verlockend, doch der Einstieg in das Filmgeschäft ist schwer, obwohl sich an fast jeder Ecke Filmsets finden. Es sind Tausende, die sich täglich auf den Castings in Mumbai tummeln und auf Entdeckung hoffen. Täglich kämpfen sie mit der Angst vor dem Versagen, stürzen ab in die Tiefen des Selbstzweifels und kämpfen dennoch weiter. Für die meisten dieser Glückssucher bleibt die Karriere als Filmstar ein Traum, ein Leben lang.

Biografie

Rebecca Sampson wurde 1984 in Göttingen geboren. Im Jahr 2009 schloss sie ihr Fotografiestudium an der Ostkreuzschule bei Prof. Ute Mahler ab. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

www.rebeccasampson.com
www.promised-city.org

Pallas

von Isabel Kiesewetter

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Das Pallasseum ist ein Wohnblock im Berliner Ortsteil Schöneberg.

Das vollständig aus Beton hergestellte Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Sportpalastes überspannt wie ein langer Riegel die Pallasstrasse und den benachbarten Hochbunker.  In dem 12-stöckigen Wohnblock leben ca 2000 Menschen. 1977 als Musterbeispiel für modernes Wohnen erbaut, entwickelte sich das Gebäude im Laufe der Jahre zu einem sozialen Brennpunkt. Zu wenige Freiflächen um den Komplex und die langen anonymen Flure, mit denen die 514 Wohnungen miteinander verbunden waren, ließen kaum ein Gefühl individuellen Wohnens zu. Das Gebäude und die Gegend verloren an Attraktivität, Vandalismusschäden waren nicht zu übersehen.

Ende der neunziger Jahre diskutierten die politischen Gremien den vollständigen Abriss. Doch es setzte sich der Vorschlag durch, das Gebäude zu erhalten und die Wohnsituation zu verbessern. Der Hauseigentümer nahm bauliche Maßnahmen vor.  Eingänge, Treppenhäuser und allgemein zugängliche Räume wurden neu gestaltet, Glaswände in den Fluren sorgen für mehr Licht. Wesentlicher Bestandteil des Konzepts war die Verbesserung der sozialen Lage. Das Quartiersmanagement „Schöneberger Norden“ arbeitet seit 1999 zusammen mit Sozialarbeitern und weiteren Partnern an dieser Aufgabe. Im Pallasseum leben Menschen aus über 20 Nationen. Es gibt derzeit keinen Leerstand.

Biografie

Isabel Kiesewetter ist Studentin an der Ostkreuzschule für Fotografie. Sie lebt und arbeitet als freie Fotografin in Berlin und Hamburg.

isabelkiesewetter[at]gmx.de

Into the blue

von Chiara Dazi

Projektinfo

Tradition kann in schlechten Zeiten Trost spenden. Tradition schafft Authentizität und Identität. Der Fußballverein 1.FC Magdeburg zählt die meisten Fans in der  vierten Liga. Das kürzlich gebaute neue Stadion fasst bis zu 25.000 Zuschauer. Eines Tages, sollte der erhoffte Aufstieg eintreffen, werden diese Besucherzahlen möglicherweise auch erreicht werden. Magdeburg war zu DDR Zeiten der erfolgreichste Ostdeutsche Fußballverein, noch heute erinnert man sich stolz an den großen Sieg des Europapokals 1974 gegen den AC Mailand. Seither ist die Mauer gefallen, Spieler, Geld und Industrien sind verschwunden. Heute ist die Stadt Magdeburg stolz auf die gelegentlichen Momente der alten Stärke und Schönheit, stolz darauf, die Wiege von Tokyo Hotel und eines großen Fußballtraums zu sein. Das gleiche Schicksal der Veränderung teilen sich viele Ostdeutsche Städte. Fußball ist ein Wunder unserer Zeit, welches es schafft Gemeinschaften zu formen und es ermöglicht intensive Momente der Zusammengehörigkeit zu erleben.

Ich interessiere mich für die Zeichen von Hoffnung und die Emotionen, die solch ein Sport auslöst, in einer Region, welche zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer immer noch nach ihrer wahren Identität sucht.

Biografie

Chiara Dazi ist Studentin der Abschlussklasse an der Ostkreuzschule für Fotografie bei Thomas Sandberg. Sie lebt und arbeitet als freie Fotografin in Berlin.

Mit dem Titelfoto von “Into the blue” gewann Chiara Dazi kürzlich den 1. Platz in der Kategorie “Best of five” des Dokfünf Fotowettbewerbs. Eine größere Auswahl der Serie kann auf der Homepage der Fotografin angesehen werden.

www.dazic.com

Ringen

von Thomas Lobenwein

Projektinfo

„Ringen“ ist eine Dokumentation über den „Türkischen Ringerverein Berlin 1981 e.V.“. Ringen ist ein Kampfsport, der ohne Schlagen auskommt, die Beteiligten aber zu engem Körperkontakt und somit zu einem intensiven Umgang miteinander zwingt. Der Verein war 1981 in Kreuzberg eine rein türkische Gründung, hat sich jedoch im Laufe der Jahre der Multinationalität des Stadtteils angepasst und zählt heute Türken, Deutsche, Russen, Tschetschenen, Bulgaren, Rumänen, Aserbeidschaner und Armenier zu seinen Mitgliedern. Die verschiedenen Nationalitäten treten hier in einen sportlichen Dialog ein, dessen Regeln auch eine Basis für den gesellschaftlich-sozialen Umgang miteinander anbieten.

Biografie

Thomas Lobenwein, *1966, Student an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin bei Prof. Ute Mahler. Lebt und arbeitet als freier Fotograf in Berlin.

www.thomas-lobenwein.de